DAS GAB ES DOCH SCHON MAL…
Pedelecs sind ein sehr schönes Beispiel dafür, dass gute Ideen immer
wieder kommen. Denn das Fahrrad mit Hilfsmotor ist keine Erfindung
der Neuzeit. Bereits 1896 kam das erste Modell dieser „Gattung“ auf
den Markt, das nach seinen Erfindern den schönen Namen „Werner“
trug. Bis in die 1950er Jahre gehörten Fahrräder mit Hilfsmotor zum
Stadt- bzw. Landbild. Dann wurden sie nach und nach von den Kleinkrafträdern
(Moped, Motorroller, etc.) verdrängt. Als elektrisch betriebene
Lifestyleräder erleben sie derzeit ihre Renaissance.

UNGEBREMSTER MEGATREND
Etwa jedes zehnte in Deutschland verkaufte Fahrrad zählt zur Gruppe
der Pedelecs bzw. E-Bikes. Wie es zu diesem etwas überraschenden
Megatrend kam, kann niemand wirklich erklären – aber diese
Fahrräder mit elektrischem Zusatzmotor scheinen sich im Straßenbild
als feste Größe zu etablieren. Sind es derzeit überwiegend die „Silver
Ager“, die diese bequeme Möglichkeit der Fortbewegung nutzen, entdecken
zunehmend auch jüngere Menschen im städtischen Umfeld
diese Alternative zu U-Bahn und Auto.
Über eventuell nötig werdenden Versicherungsschutz machen sich
viele erst nach dem Kauf Gedanken. Muss man so ein Rad haftpflichtversichern?
Wie kann man Reparaturen nach einem Unfall oder Diebstahl
des Rads bzw. einzelner Teile absichern?
Auf den folgenden Seiten möchten wir gerne aufklären, was beachtet
werden muss und welche Möglichkeiten der Absicherung es gibt.

WAS IST WAS?
Pedelecs (Kunstwort für Pedal Electric Cycle) unterstützen den Fahrer
nur, solange dieser auch tatsächlich in die Pedale tritt. Beträgt die
abgegebene Leistung dieser Trethilfe nicht mehr als 250 Watt und
endet die Unterstützung bei maximal 25 km/h oder wenn der Fahrer
mit dem Treten einhält, so bleibt dem Gefährt der Status des Fahrrades
erhalten.
Im Gegensatz zu Pedelecs besitzen E-Bikes einen tretunabhängigen
Antrieb. Sie gelten als Leichtmofa, wenn sie unter anderem nicht mehr
als 500 Watt Leistung bereitstellen und eine Höchstgeschwindigkeit
von nicht mehr als 20 km/h erreichen. Außerdem benötigen sie eine
Betriebserlaubnis. Auch schnelle Pedelecs (sog. S-Pedelecs), deren
Tretunterstützung erst bei 45 km/h abschaltet, müssen entsprechend
der europäischen Richtlinien eine Typenprüfung aufweisen.
Der Einfachheit halber sprechen wir bei beiden „großen Rädern“ im
Weiteren nur von E-Bikes.

Schadenbeispiele aus der Praxis

VERKEHRSUNFALL
Herr Meyer möchte sich ein Fahrrad mit Elektromotor kaufen. Er
entscheidet sich für ein gebrauchtes Rad aus zweiter Hand, das
er in einem Anzeigenportal entdeckt hat. Auf einer der ersten
Fahrten gerät er durch eine Bodenwelle ins Schlingern und
schrammt einen geparkten Pkw über die komplette Länge an.
Die Fahrerin informiert auch gleich die Polizei, die den Schaden
(geschätzt ca. 3.500 Euro) aufnimmt und dabei feststellt, dass
es sich bei Herrn Meyers Rad um ein E-Bike mit einer (Motor-)
Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h handelt, für das Versicherungspflicht
besteht. Da er ohne Versicherungskennzeichen
unterwegs war, muss er nicht nur den verursachten Schaden
aus eigener Tasche bezahlen, es wird auch ein Strafverfahren
wegen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz eröffnet.

AKKUSCHADEN
Frau Simon lagert ihr Pedelec über den Winter ein. Zuvor hat sie
den Akku des Rads noch gut „leer gefahren“. Das war ein Fehler,
da der Akku durch diese Tiefenentladung geschädigt wurde, wie
sich im nächsten Frühjahr zeigt. Ein Ersatzakku kostet im Fachhandel
knapp 400 Euro.

DIEBSTAHL
Herr Stark fährt morgens regelmäßig mit dem E-Bike zum Bahnhof
und von dort mit dem Zug zur Arbeit. Das Rad schließt er so
lange ordentlich mit einer Kette an einem Fahrradständer ab. Als
er eines Tage durch einen ausgefallenen Zug erst gegen 20 Uhr
wieder zum Bahnhof kommt, findet er nur noch die zerschnittene
Kette vor. Sein Rad wurde gestohlen. Ein neues kostet 2.000
Euro.

BITTE ERST AN DEN VERSICHERUNGSSCHUTZ DENKEN!

Unsere drei Schadenbeispiele können natürlich nur beispielhaft für die
Fülle möglicher Schadensszenarien stehen.
Wir glauben aber, sie zeigen bereits ganz gut auf, dass es bei Rädern
mit Elektromotor ohne nötigen Versicherungsschutz einige Probleme
geben kann – vermeidbare Probleme! Auf den Folgeseiten möchten
wir auf jedes Thema eingehen, über das Sie sich Gedanken machen
sollten, bevor Sie die erste Fahrt mit Ihrem neuen Bike antreten.

HAFTPFLICHTVERSICHERUNG

Wer einem anderen einen Schaden zufügt, muss dem Geschädigten
gegenüber auch dafür haften. Dieser Grundsatz gilt so auch für den
Gebrauch von Fahrrädern mit Elektromotor. In aller Regel gibt es für
fast jedes Haftungsproblem auch eine Haftpflichtversicherung, über
die es versichert werden kann bzw. automatisch ist. Die Privathaftpflichtversicherung
kommt einem hier zuallererst in den Sinn. Aber in
einigen Fällen reicht sie hier nicht aus.

Genügt die Privathaftpflichtversicherung für Pedelecs?
Das kann man für Pedelecs leider nur mit einem „teilweise vielleicht“
beantworten. Grundsätzlich bietet jede Privathaftpflichtversicherung
auch Versicherungsschutz, wenn Sie als Radfahrer unterwegs sind
– hier sind eindeutig aber nur Räder ohne Zusatzmotor gemeint. Die
meisten Tarife am Markt übernehmen auch die Deckung für den Gebrauch
nicht versicherungspflichtiger Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen.
Dabei wird die maximale Höchstgeschwindigkeit, die ein solches
Fahrzeug haben darf, meist auf 6 km/h beschränkt – die Verfasser
älterer Bedingungswerke hatten hier wohl vor allem Elektrorollstühle
und ähnliches im Sinn. Weder die Regelung für ein normales Rad,
noch die für besagte Fahrzeuge, passt so richtig zum Pedelec. Erst
in neueren Bedingungswerken wurde dieses neue Haftpflichtproblem
eindeutiger geregelt. Viele Anbieter nahmen Fahrräder mit Hilfsmotor
(sofern nicht zulassungs- und nicht versicherungspflichtig) explizit in
ihren Deckungsumfang mit auf. Andere erweiterten den Kreis der versicherten
Fahrzeuge entsprechend, damit Versicherungsschutz für die
Kunden geschaffen wird. Wir können daher pauschal nur raten, sich
vor der ersten Fahrt bei seinem Privathaftpflichtversicherer zu vergewissern,
dass Versicherungsschutz auch für das neue Rad besteht.
Gerne übernehmen wir das für Sie!
Bei E-Bikes genügt eine Privathaftpflichtversicherung definitiv
nicht!

Da E-Bikes auch ohne Pedalbetrieb fahren können, ist es nachvollziehbar,
dass hier Regelungen für Kleinkrafträder greifen. Sie benötigen
eine entspechende Fahrerlaubnis (mind. Klasse M), müssen eine
Prüfbescheinigung mitführen und benötigen natürlich auch ein Versicherungskennzeichen
(„Mofakennzeichen“). All dies gilt ausdrücklich
auch für die S-Pedelecs! Beide Radtypen fallen damit nicht mehr
unter den Schutz der Privathaftpflichtversicherung!
Bewegen Sie sich ohne Versicherungskennzeichen mit E-Bike oder
S-Pedelec auf öffentlichen Straßen, begehen Sie damit einen Verstoß
gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Dies kann mit einer Geld- oder
sogar Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden. Zusätzlich
droht der Entzug der Fahrerlaubnis.

RECHTSSCHUTZVERSICHERUNG

Da sie das thematische Gegenstück zur Haftpflichtversicherung ist,
möchten wir an dieser Stelle kurz auf die Rechtsschutzversicherung
eingehen. Sie übernimmt die anfallenden Kosten eines Rechtsstreits,
wenn Sie z. B. nach einem Unfall Schmerzensgeld und Schadensersatz
einklagen müssen. Wenn Sie bereits einen Rechtsschutzvertrag
besitzen, der auch einen Verkehrs-Rechtsschutz enthält, sind
Sie auch auf Ihrem Bike versichert. Man weiß ja nie, was einem im
Straßenverkehr so zustößt.

WIE KÖNNEN SIE DAS RAD SELBST GEGEN SCHÄDEN VERSICHERN?

Ein neues „Elektro-Fahrrad“ ist nicht gerade billig – speziell der Akku
schlägt als Ersatzteil schnell mit einigen hundert Euro zu Buche. Es
wundert uns nicht, dass wir von Kunden oft gefragt werden, wie man
sich gegen Schäden versichern kann. Hier gibt es gleich eine Reihe
verschiedener Möglichkeiten.

Hausratversicherung

Zumindest die langsameren Pedelecs sind grundsätzlich bereits über
die Hausratversicherung gegen die Gefahren Feuer, Leitungswasser,
Einbruchdiebstahl, Raub, Sturm, Hagel und – sofern gewählt – auch
gegen Elementarschäden wie z. B. Überschwemmung versichert.
Voraussetzung für die Regulierung eines Diebstahls ist grundsätzlich
aber, dass sich das Rad zum Schadeneintritt in einem geschlossenen
Gebäude befand. Der einfache Diebstahl, wenn man unterwegs ist,
lässt sich bei den meisten Versicherern auch für die Pedelecs einschließen.
Spezieller – von einer Hausratversicherung unabhängiger
– Schutz wird am Versicherungsmarkt in Form von Fahrradversicherungen
geboten.

Fahrradversicherung für Pedelecs

Fahrradversicherungen bieten in der Regel einen deutlich umfangreicheren
Schutz, bei dem auch an den aktiven Gebrauch eines Rads
gedacht wurde. Auch Schäden am Akku oder Motor lassen sich so
hervorragend mit absichern. Da sich der Versicherungsumfang der
verschiedenen Anbieter unterscheiden kann, möchten wir hier beispielhaft
nur einige wesentliche Punkte aufgreifen.
Fall- oder Sturzschäden
Schäden durch Unfälle
Vandalismus
• Schäden durch Tiefenentladung des Akkus
Je nach Anbieter und Tarif kann sich der Versicherungsschutz auch
auf mitgeführtes Fahrradzubehör wie z. B. Helm, Kindersitz, Trinkflasche,
etc. erstrecken. Dieser umfangreiche Schutz ist für alle Arten
von Fahrrädern mit Elektromotor erhältlich.

Teilkaskoversicherung für E-Bikes

Wie eingangs erwähnt, sind die „schnellen Räder“ versicherungspflichtig
und müssen auf öffentlichen Straßen ein Versicherungskennzeichen
führen. Neben der Haftpflicht bieten die meisten Anbieter die
Möglichkeit, auch eine Teilkaskoversicherung mit einzuschließen –
vereinzelt auch mit Sondereinschluss eines gesonderten Akku- und
Motorschutzes. Diese Teilkaskoversicherung umfasst die Gefahren
Feuer, Explosion, Diebstahl, Einbruchdiebstahl, Raub, Glasbruch,
Schäden an der Verkabelung durch Kurzschluss, Marderbiss, Sturm,
Hagel, Blitzschlag, Überschwemmung und Zusammenstöße mit Haarwild
(je nach Anbieter auch mit anderen Tieren).

WELCHE SONSTIGEN VERSICHERUNGEN SIND NOCH ZU EMPFEHLEN?

Räder haben auch heute noch keine Knautschzone. Wer mit dem Pedelec
oder E-Bike unterwegs ist, für den besteht immer ein großes
Risiko, einen Unfall mit dauerhaften gesundheitlichen Folgen zu erleiden.
Es empfiehlt sich daher, eine private Unfallversicherung abzuschließen.
Diese leistet nicht nur beim Gebrauch von Fahrzeugen, sondern 24 Stunden am Tag bei allen täglichen Aktivitäten. Hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach. Kern des Schutzes ist eine von Ihnen individuell festlegbare Invaliditätsleistung, die entsprechend der erlittenen Invalidität Kapital ausschüttet, mit dem Sie Ihren gewohnten Lebensraum Ihren neuen Bedürfnissen anpassen können (z. B. behindertengerecht umgebauter Pkw, Rollstuhlrampen, Treppenlifte, spezielle Prothesen,…).

Interesse geweckt? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf – es lohnt sich!

Sie haben noch Fragen? Dann rufen Sie uns gerne an oder vereinbaren Sie einen unverbindlichen Beratungstermin!